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Traubenherbst 2018

Im Sommer lasen wir,
unter ewig blauem Himmel
und in brütender Hitze.

Jetzt lesen wir ein zweites Mal.
Die Frucht ist reif und gesund
und hat sich in der Tiefschicht
sehr gut versorgt.

Aber unten im Talgrund
– rheinab –
fließt kaum noch Wasser.
Nicht mal die Fähre
legt hier an.

Also machen wir nach dem Pflücken
einen kleinen Umweg,
fahren über die alte Brücke,
an Dörfern und Feldern vorbei
und an jeder staubigen Wegwart‘.

Zuhause laden wir ab,
keltern den Federweißen
und genehmigen uns
einen ordentlichen Umtrunk.

Aber diese Dürre,
dieser Brand unterwegs,
macht uns doch zu schaffen.

Was, denken wir plötzlich,
ist anders geworden,
in dieser komisch – verrückten Zeit?
An unserem „sagenumwobenen“ Strom?

Was?

Norbert von Dungen